Eupener Pfadfinder
1945 setzte sich Jean Rentgens, damals noch aktives Mitglied der Eupener Pfadfinder, dafür ein, in Raeren eine Pfadfindergruppe aufzubauen. Er stieß auf drei interessierte Jungen, Paul Peters, Willy Scheiff und Gerhard Schumacher, die ab Ostern 1945 die Gruppenarbeit auf dem Speicher des Raerener Pfarrheims begannen.
Nachdem 1958 die Zusammenarbeit mit den Eupener Pfadfindern nicht mehr so recht funktionierte, trennte man sich von diesen und betrieb die Einheit St. Stephan selbstständig in Raeren weiter.
Schule Berg
1964 wurden den Pfadfindern von der Gemeinde einige Räume der alten Schule im Ortsteil Berg zur Verfügung gestellt, in denen sie auch heute noch ihre Versammlungen abhalten.
Zu den zahlreichen Aktivitäten der Raerener Pfadfinder gehörten unter anderem Papiersammlungen, Festzug zum Waffenstillstand, Begleitung der Pilger nach Lourdes und Bau und Unterhalt der Kapelle auf dem Reinartzhof. Diese von den Pfadfindern errichtete Kapelle steht auch heute noch unter ihrer Verwaltung.
Mädcheneinheit
Im September 1960 entstand die erste Gruppe der Raerener Pfadfindermädchen. Mit der Unterstützung von Pastor von Schwarzenberg wurde diese von Ingrid Lentzen geleitet und zählte anfangs acht Mitglieder. Auch die Einheit St. Georg fand ihre Unterkunft in der alten Schule Berg. Sie wird heute von Annette Pitz und Stefanie Fuhrt geleitet unter Vorsitz von Präses Kaplan Peter Dries, der auch der Jungeneinheit als geistlicher Leiter vorsteht.
Innere Einkehr
Jedes Jahr veranstalten die Leiter der beiden Gruppen ein Wochenende, das sie in religiöser Besinnung und innerer Einkehr gemeinsam mit ihrem Präses verbringen. Meist kehrt man zu diesem Wochenende in ein Kloster ein. Diese Einkehr dient unter anderem der Rückbesinnung auf sich selbst und auf die Rolle als Pfadfinderleiter.
Heute zählt die Einheit St. Stephan ca.90 Mitglieder, die von 22 Leitern in drei Gruppen animiert werden. Die Einheit St. Georg besteht aus ca.85 Mädchen und 15 Leiterinnen, ebenfalls in drei Gruppen unterteilt.
Pfadfinder - Eine Idee, die zündet
Die Pfadfinderbewegung blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Was 1907 in England mit einer Handvoll Jungen begann, entwickelte sich schnell zur größten Jugendbewegung der Welt mit über 27 Millionen Mitgliedern. Die Idee von damals war nicht nur einem Zeitgeist entsprungen, sondern sie besitzt noch heute eine weltweite Aktualität.
Was war und ist das Faszinierende an der Idee des Engländers Lord Robert Baden Powell, der 1907 die ersten Pfadfindergruppen gründete?
Scouting is doing!
Baden Powell gab Jungen und bald auch Mädchen in den Pfadfindergruppen den Raum, selber Dinge auszuprobieren, das Leben in der Gruppe zu gestalten und aufzubrechen, um sich selbst und die Welt zu entdecken.
Verantwortung übernehmen
Dieses Zutrauen in die Selbstbestimmung jedes Jungen und Mädchen als auch in die Gruppe verband Baden Powell aber mit der Aufforderung, für das eigene Handeln die Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung heißt hierbei:
· Verantwortlichkeit für das eigene Leben, in dem die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Neigungen entdecken und entwickeln und so die Spannweite der eigenen Persönlichkeit entfalten.
· Verantwortlichkeit für die Gruppe, indem sie deren Leben mit gestalten, ihre eigenen Möglichkeiten einbringen und diejenigen der anderen erkennen und anerkennen.
· Verantwortlichkeit für die Gesellschaft, für die der Blick geweitet und solidarisches Handeln eingeübt wird.
Diese Aufforderung Baden Powells an alle Pfadfinder und Pfadfinderinnen bestimmt auch das Leben der mittlerweile 71 Jahre alten Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG). Eigenverantwortlichkeit und gesellschaftliches Engagement muss jedoch zunächst gelernt werden. Um den Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, gliedert sich die DPSG in vier Altersstufen mit jeweils eigenen pädagogischen Schwerpunkten.
Spielerisch die Welt Endecken: - die Wölflinge (8 - 10 Jahre)
Kinder zwischen acht und zehn Jahren haben Lust, die Welt zu entdecken. Als Wölflinge haben sie in der DPSG die Möglichkeit, spielerisch sich selbst und ihre direkte Umwelt zu erkunden, hinter die Dinge zu schauen und sie zu begreifen. Die Jungen und Mädchen finden über das Spiel Antworten auf ihre Fragen, sie entwickeln eigene Ideen und der Mut zu selbständigem Entscheiden und Handeln wird gestärkt. Dass politisches Handeln auch für die jüngsten Pfadfinderinnen und Pfadfinder schon möglich ist, haben die Wölflinge bei ihrer Bundesaktion rund um die letzten Bundestagswahlen 1998 bewiesen. In phantasievollen Aktionen machten sie auf Missstände in ihren Heimatgemeinden aufmerksam, trafen sich mit Politikerinnen und Bürgermeistern und brachten ihre Anliegen über die örtliche Presse vielfach auch an die Öffentlichkeit.
Mut zum Ausprobieren: - die Jungpfadfinder (11-13 Jahre) Ranger
Den Kinderschuhen entwachsen, aber in die Schuhe von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen passen sie noch nicht hinein. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die Jungpfadfinder bewegen. Die Gruppe der Gleichaltrigen und das begleitende Leitungsteam bieten den nötigen Rückhalt, sich mit den eigenen Hoffnungen, Ängsten und Wünschen auseinanderzusetzen und sie zu der erlebten Wirklichkeit in Beziehung zu setzen. Die Jungen und Mädchen erfahren Unterstützung bei der Suche nach einem eigenen Lebensstil und ebenso bei dem Eintreten gegen gesellschaftliche Missstände. So organisierte eine Jungpfadfindergruppe in Ingolstadt kurzerhand eine “Kinderversammlung”, um die öffentlichen VertreterInnen auf die wachsende Fremdenfeindlichkeit in ihrer Stadt aufmerksam zu machen.
Wagnis und Aufbruch: - Pfadfinder (14 - 16 Jahre) Ranger
“Wage es, ein handelnder Mensch zu sein, riskiere den nächsten Schritt” heißt die Aufforderung an die Vierzehn- bis Sechzehnjährigen, die Altersstufe der Pfadfinder. Zwischen Zukunftslust und Zukunftsfrust stehen die Jugendlichen vor den Fragen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Wie geht es weiter? Die Gruppe der Pfadfinderinnen und Pfadfinder unterstützt und fordert jede/n einzelne/n gleichzeitig heraus, nicht im Erreichten stecken zu bleiben und einen eigenen Weg zu finden. Die Erfahrung, durch gemeinsame Aktionen etwas bewirken und bewegen zu können, ermutigt die Jugendlichen zu erneutem politischen Handeln. Pfadfinder und Pfadfinderinnen engagieren sich über die Grenzen hinaus. So packten einige hundert Jugendliche während des Sommerunternehmens KARAWANE in Siebenbürgen/Rumänien mit an, halfen beim Ausbau eines Freilichtmuseums, reparierten Häuser, Wege und Stege und informierten sich gleichzeitig über die Lebenswirklichkeit der Bauern dieser Region.
Unterwegs: - die Rover (17 - 20 Jahre) Pioniere
Für die Siebzehn- bis Zwanzigjährigen gewinnt die Welt der Erwachsenen zunehmend an Bedeutung. Berufseinstieg oder Abitur und Studium, Liebe und Partnerschaft und die Suche nach Identität sind die zentralen Themen der jungen Leute. Die Rovergruppe ist ein Ort, an dem die Jugendlichen zusammen Antworten finden können und gleichzeitig Raum für Experimente da ist. Denn Roversein heißt mehr als nur die eigenen Probleme zu diskutieren. Rover sind “unterwegs”, um sich über ihre eigenen Vorstellungen von Gesellschaft und Leben klar zu werden und sich gleichzeitig einzumischen und mitzumischen.
Die Pfadfinderische Methode
Die Pfadfinderische Methode ist die zentrale Methode der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbewegung. Sie wird auch als ein „System fortschreitender Selbsterziehung“ bezeichnet. Zu ihr gehören folgende Elemente:
Das Sippensystem bildet kleine überschaubare Gruppen. Dort werden individuelle Fähigkeiten und das Selbstbewusstsein der Pfadfinderinnen und Pfadfinder gefördert. Soziale Verhaltensweisen werden eingeübt, Aufgaben innerhalb der Gruppe aufgeteilt.
In den Regeln und Versprechen werden Grundlagen deutlich, nach denen die Sippen leben wollen. Mit dem Versprechen werden die Kinder als Pfadfinderinnen und Pfadfinder aufgenommen. Die Regeln werden in den Gruppen immer wieder neu ausgehandelt. Sie sind mehr als nur ein Appell an das „fairplay“. Sie geben Lebensorientierung und helfen beim Aufbau eines eigenen Wertesystems.
„Learning by doing“ bedeutet, dass Pfadfinderinnen und Pfadfinder alles selbst ausprobieren sollen. Aktivität, konkretes Handeln ist gefragt. Durch das Erleben ihrer Handlungen werden in ganzheitlicher Weise Lernprozesse in Gang gesetzt.
Als ein großes Spiel bezeichnete Lord Baden-Powell die Pfadfinderbewegung. Spielerisch werden wichtige Inhalte des menschlichen Zusammenlebens eingeübt. Spaß und Freude sind dabei wichtige Begleiter.
Das Leben in freier Natur bei Fahrten und Lagern ermöglicht den Kindern und Jugendlichen Elementarerfahrungen wie Licht, Dunkelheit, Kälte, Feuer, das Empfinden von Alleinsein, von Freude und Angst. Diese sind für den Aufbau einer tiefen Gefühlswelt wichtig. Zudem fordert das Leben in freier Natur zum aktiven Handeln und zu einem einfachen Leben auf.
Übernahme von Verantwortung durch den Einzelnen ist beim Zusammenleben in kleinen Gruppen und für Pfadfinderinnen und Pfadfinder selbstverständlich. Jede und jeder muss sich entsprechend eigener Fähigkeiten für das Ganze verantwortlich fühlen und einen Teil dazu beitragen.
Die Förderung der Neugier wird bei uns gefördert. Denn im Wort „Pfadfinder“ steckt die Bedeutung von „Neues entdecken“, „Grenzen überwinden“, „neue Wege finden“. Von einem sicheren Ausgangspunkt, der Sippe, brechen Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu neuen Ufern auf.